Friesland


Friesland
Fries|land; -s:
1. Landkreis in Niedersachsen.
2. Provinz in den nördlichen Niederlanden.

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Friesland,
 
1) ursprünglich das gesamte von den Friesen bewohnte Küstengebiet an der Nordsee.
 
Im Mittelalter gliederte sich Friesland in West-, Mittel- und Ostfriesland Westfriesland, das vom Sinkfal bei Brügge bis zur Zuidersee reichte (heute bis zum IJsselmeer), ging schon früh in der Grafschaft Holland auf. Mittelfriesland (westlich der Lauwers, von Deutschland aus gesehen Westfriesland) und das sich ihm anschließende Ostfriesland (bis zur Weser) zerfielen nach der Zerschlagung (785) des um 700 entstandenen Großreichs Radbods durch Karl den Großen in zahlreiche kleine, bäuerlich bestimmte Herrschaften, die gegenüber den »Häuptlingen« (Landesherren) ihre Freiheiten zu verteidigen wussten. Seefahrt und Handel erlebten zwischen 800 und 1000 eine erste Blüte. Zur Metropole v. a. des England- und Skandinavienhandels entwickelte sich Dorestad. Das im ständigen gemeinsamen Kampf gegen die Nordsee (Deichbau) entstandene soziale Gefüge, dessen Kennzeichen die persönliche Freiheit aller Stände war, wurde Wurzel der späteren, v. a. durch die Konsulatsverfassung der einzelnen »Länder« bestimmten »Friesische Freiheit«. Zusammengeschlossen waren die kleinen »Bauernrepubliken« in einer Art Landfriedensbund, im Upstalsboomverband, benannt nach dem Upstalsboom bei Aurich. 1464 wurde unter Ulrich Cirksena Friesland östlich der Ems zum großen Teil vereinigt und bildete die Reichsgrafschaft, später das Fürstentum Ostfriesland. Friesland westlich der Ems fiel im 15. Jahrhundert an Burgund, 1648 an die Generalstaaten beziehungsweise Niederlande.
 
 2) Landkreis im Regierungsbezirk Weser-Ems, Niedersachsen, 607 km2, 100 300 Einwohner, Kreisstadt ist Jever. Der Kreis erstreckt sich vom Wattenmeer mit der Düneninsel (Nordseebad) Wangerooge entlang der Außenjade und dem westlichen Jadebusen; das nördliche Kreisgebiet wird überwiegend von Marschen eingenommen, der Süden von zum Teil bewaldeter Geest und Mooren. Der Kreis umschließt die kreisfreie Stadt Wilhelmshaven. Verglichen mit den Nachbargebieten ist der Kreis Friesland dank wichtiger Industrie u. a. in Schortens (Büromaschinenwerk), Jever, Varel und Bockhorn (Ziegeleien auf der Basis von Lauenburger Ton) sowie dank der Nachbarschaftslage zu Wilhelmshaven wirtschaftlich begünstigt. Den mittel- bis großbäuerlichen Betrieben, die in der Marsch Grünlandwirtschaft und Rinderhaltung sowie Getreidebau betreiben, stehen die kleinbäuerlichen Stellen mit hohem Nebenerwerbsanteil im südlichen Kreisteil gegenüber. Neben dem traditionellen Nordseebad Wangerooge (mit festländischem Fährhafen Harle) haben sich weitere Fremdenverkehrszentren in Schillig, Horumersiel und Hooksiel (an Wattenmeer und Jade) sowie in Dangast (am Jadebusen) entwickelt.
 
 
W. Meibeyer: Das Unterems-Jade-Gebiet (1977).
 
 3) Provinz im Norden der Niederlande, 3 361 km2, 609 600 Einwohner, Hauptstadt ist Leeuwarden. Friesland umfasst die fruchtbaren Marschen an der Waddenzee und am IJsselmeer sowie Grundmoränen- und Fehngebiete und die Westfriesischen Inseln Vlieland, Terschelling, Ameland und Schiermonnikoog. Auf den tonigen Marschböden werden Zuckerrüben, Flachs und Saatkartoffeln angebaut, im übrigen Friesland wird Rinderweidewirtschaft betrieben. Die Industrie beschränkt sich auf Maschinen- und Schiffbau, Metall-, Nahrungsmittel- und elektrotechnische Industrie. In Friesland wird auch Erdgas gefördert, das zur Elektrizitätserzeugung genutzt wird; außerdem Fremdenverkehr.
 
 
Die Grafen von Holland, seit 1289 nominell auch die Herren von Friesland, versuchten wiederholt, das friesische Gebiet westlich der Lauwers (Westfriesland) zu unterwerfen. Innere Kämpfe ermöglichten es im 14. Jahrhundert Groningen und Holland, in Friesland an Einfluss zu gewinnen, zogen gleichzeitig aber die Bestätigung der »Friesischen Freiheit« durch die Kaiser Siegmund und Friedrich III. nach sich. 1515 erwarb Kaiser Karl V. Friesland durch Kauf. Das früh reformierte Land nahm von Anfang an am Aufstand gegen die habsburgische Herrschaft teil und stand seit 1576 endgültig auf der Seite der Geusen. In der Folge regiert von Statthaltern aus dem Hause Nassau sowie von den Ständen, teilte Friesland, nunmehr streng kalvinistisch, die Geschichte der Vereinigten Niederlande.
 
 
Encyclopedie van F., hg. v. J. H. Brouwer (Amsterdam 1958).
 

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Fries|land; -s: 1. Landkreis in Niedersachsen. 2. Provinz in den nördlichen Niederlanden.

Universal-Lexikon. 2012.

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